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„Als das Licht laufen lernte“

Ende letzter Woche holte ich bei meiner Buchhandlung das Buch mit dem oben genannten Titel ab.

Ich bestellte es auf die Twitter-Empfehlung von Richard Zinken (Twitter: @zinken) hin, dem derzeitigen bis vor kurzem Verlagsleiter von „Spektrum“. Er verwies in seinem Tweet auf ein kleines Vimeo-Ad:

Neugierig geworden auf die dort angekündigte, gelungene Verquickung von Erläuterung des derzeitigen Kenntnisstands der (Astro-)Physik mit grafischer Aufbereitung eben dieser Erklärungen, habe ich das Buch trotz des ordentlichen Preises von 49,99 EUR bestellt.

Als besonders interessant empfinde ich die Tatsache, dass es sich bei dem Buch um die Diplom-Arbeit einer Grafikerin, bzw. Kommunikationsdesignerin handelt – nicht etwa um eine Physik-Studentin! Über die Sendungen „Alpha Centauri“ und „Leschs Kosmos“ des in München lehrenden Prof. Dr. Harald Lesch kam das Interesse für diesen wahrlich komplexen Themenbereich in Frau Leitner auf. Ohne entsprechendes Hintergrundwissen musste sie ihren eigenen Weg finden, sich die Zusammenhänge der Physik, der Relativitätstheorie und schließlich der Quantentheorie verständlich zu machen.

Genau das aber macht den Reiz dieses Buches aus: Frau Leitner erklärt darin auf eine Art und Weise, wie sie es sich als Laie für sich selber hat verständlich machen können. Sie verliert sich nicht in Fachbegriffen und setzt nichts als gegeben voraus, was ein „Normalbürger“ nicht wissen dürfte.

Die ersten hundertundeinpaar Seiten sind schon wie im Flug vergangen – ich berichte später über meinen eigenen Gesamteindruck.
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Nachtrag 15. Januar 2014

 

Mein Gesamteindruck

Nachdem ich im Dezember nur sporadisch zum Lesen des Buchs gekommen war, boten die Weihnachtsferien endlich die Gelegenheit, mich auch mal später in der Nacht und länger am Stück mit den kurzweilig aufbereiteten Inhalten auseinanderzusetzen. Anfang Januar kam dann der bedauerliche Moment, den jedes gute Buch zu bieten hat: die letzte Seite, die letzten zusammenfassenden Sätze lagen hinter mir!

Ich bin begeistert!

Nicht allein deswegen, weil Daniela Leitner den ganzen schwierigen Stoff auf interessante, humorige Art dargestellt und beschrieben hat. Nicht nur, weil neben der anschaulichen Wahl ihrer grafischen Darstellung auch ihre Sprache flüssig, gut verständlich und angenehm locker rüberkommt. Nein. Ich bin vor allem deswegen begeistert, weil sie es in der eben beschriebenen Art schafft, tatsächlich extrem tief gehende, komplexe Vorgänge und Zusammenhänge zu beschreiben! Etwa die verschiedenen Stufen der Elemente-Fusion in extrem großen Sternen oder eben die vergleichsweise simple Wasserstofffusion innerhalb unserer Sonne. Die Photon/Elektron-Freundschaft und das ganze Spiel der vier Grundkräfte. Die der Wissenschaft aktuell vorliegenden Erkenntnisse über Dunkle Materie und Dunkle Energie. All die Elemente der Faust’schen Suche nach dem, was unsere Welt im Innersten zusammenhält.

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Von all diesen Abläufen habe ich wohl schon gehört und gelesen, doch bisher hat es noch kein Buch bei mir geschafft, diese mehrstufigen Prozesse so anschaulich darzustellen und zu beschreiben, dass ich sie wirklich kapiert habe.

Die Kommunikationsdesignerin Daniela Leitner hat genau dieses Kunststück zustande gebracht. Ich halte das für den denkbar besten Beweis dafür, dass sie den richtigen Beruf ergriffen hat!
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Fazit

20140108_122117Das Buch hangelt sich in sieben Kapiteln von der Jetzt-Zeit zurück in die unwirtlichen allerersten Sekundenbruchteilen unseres Universums. Schritt für Schritt nähern wir uns der Herkunft des Lichts, dem Ursprung jeglicher uns bekannter Energie und damit auch Materie. Mit jedem Kapitel bewegen wir uns also rückwärts in der Zeit – in Riesensprüngen von Milliarden Jahren zunächst, in allerwinzigsten Bruchteilen von Sekundenfragmenten während der Annäherung an den ersten beschreibbaren „Moment“.

Zwischen diesen zeitlichen Polen stehen all die physikalischen Aspekte des Universums, die unsere heutige Existenz überhaupt erst möglich gemacht haben. Das Zusammenspiel der Kräfte, der uns bekannten Teilchen, die so wenig anschaulichen und dennoch realen Quanteneffekte, ohne die „das alles hier“ gar nicht funktionieren würde. Warum gibt es überhaupt etwas und nicht nichts?

20140108_122334Wie erzeugt ein Stern die von ihm ausgestrahlte Energie? Auf welche Weise und woraus entsteht überhaupt ein Stern? Wie haben sich die allerersten Sonnen dieses Universums gebildet? Warum gab es 200 Millionen Jahre lang nur schnöde Dunkelheit und vorher ein derart dichtes Plasma, dass das Licht darin gefangen war? Und zu guter Letzt: wie war das so, am allerersten Tag, vor dem es nichts von alldem gab, das uns heute umgibt?

Ich kann nur allen Menschen, die sich für Astrophysik im Speziellen interessieren oder einfach im goetheanischen Sinn nach der Antwort hinter der Antwort suchen, empfehlen, sich diesem Buch zu widmen! Das ist Naturwissenschaft in anspruchsvoller Tiefe verständlich präsentiert, locker formuliert und flüssig lesbar.

So bleibt auch etwas hängen.

So „macht man“ Information.

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